Ihre Chance zu integrierter Kommunikation

Klaus-Michael Erben

03.09.2010

Wäre Herr Sarrazin ein reiner Phrasendrescher, wäre er als Beamter, Manager und auch Senator nicht so weit gekommen. Er war mehr als einmal der Ausputzer für Bgm. Wowereits Wunschdenken. Dass er als ausgewiesener Finanzer die Bundesbank als Schreibstube missbraucht - was soll's. Ihm mag zwar die Fähigkeit abhanden gekommen sein, das Maß seiner Zuspitzung zu begreifen. Doch ändert dies nichts daran, dass hier nicht nur eine Debatte geführt werden muss. Es müssen auch Taten folgen. So geht kein Weg daran vorbei, die vorschulische Erziehung bundesweit auf deutlichem höherem Niveau zu vereinheitlichen. Auch sollte jedem klar sein, dass jedermann an einem Aufbrechen der muslimischen Parallelgesellschaften nicht zuletzt volkswirtschaftlich sehr gelegen sein müsste.


14.07.2010

Kommunikativ spannend ist, was sich medial zur Euro-/Griechenlandkrise abspielt. Einerseits ringt die griechische Regierung darum, ihr Sparprogramm durchzusetzen. Andererseits kauft die EZB still und leise Griechenland-Anleihen mit einem Abschlag von 30 Prozent auf. Letzteres ist wirkungsvoll. Denn drauflegen will die EZB höchstwahrscheinlich nicht - und senkt damit auch den möglichen Abschreibungsbedarf vor allem deutscher Banken. Kurz: Der griechische Beitrag zur Krisenbewältigung ist von eher marginaler Bedeutung. Das Medienecho wird sich jedoch kaum auf die EZB-Intervention konzentrieren wollen.


04.07.2010

Aha - 4:0 gegen Argentinien: Das war nicht alles. 'Joggi' Löw hatte sich verwettet und 'muss' nun für vier Sporteinrichtungen in südafrikanischen Townships Fußbälle stiften. Grund: Das 1:0 fiel aus einer sogenannten Standardsituation heraus, eine Leistung an die der Bundestrainer auch im Traum nicht zu glauben gewagt hatte. Eine unwesentliche Randerscheinung oder doch ein Zeichen, dort zu Gast zu sein, wo Freunde für's Leben wohnen?


08.06.2010

Nein, es geht hier nicht nur um das IPhone 4. Strukturwandel ist noch das harmloseste Wort für das, was sich derzeit im Kommunikationsalltag abspielt. Denn immer mehr Menschen schwenken darauf ein, sich mit Preisgabe von Informationen aus ihrer Privatsphäre Nutzen in der Interaktion mit ihrer Umwelt zu verschaffen. Das Verrückte dabei: Viele (und nicht nur junge) Menschen sind bereits so weit - dann finden sie jedoch in der Unternehmensorganisation Strukturen vor, die meilenweit von dieser Kommunikation entfernt sind. Kann es wahr sein, dass es den Mitarbeitern in der Trendabteilung des VW-Konzerns verwehrt ist, sich während der Arbeitszeit in Web 2.0 Umgebungen zu tummeln?


26.05.2010

Sprechgeschwindigkeit und wahrgenommene Nachdenklichkeit sind eher ungleiche Brüder. Bei dem jetzt in die Internet-Schlagzeilen gekommenen Bremer Next Practice Professor Peter Kruse ist die Symbiose durchaus gelungen - Schnellsprecher mit Tiefgang. Doch tatsächlich erstaunt - mindestens unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten - seine schmale Veröffentlichungsliste.


17.05.2010

Was ein Handelsblatt-Chefredakteur sagt, hat aus sich heraus Gewicht. In einem Interview buchstabiert Gabor Steingart jetzt die Nachrichtenwerte neu. Tiefgründig, präzise und überraschend müsse ein Blatt sein. Und nicht partout negativ und auch nicht einzelnen Personen verhaftet? Das wäre tatsächlich eine (erfreuliche) Alleinstellung unter den deutschen Wirtschaftsblättern.


11.05.2010

Setzt man sich mit Twitter auseinander, dann erlebt man auch im Profi-Umfeld manchen Ständig-Sprecher. Hier gehört es durchaus dazu, sich Experten zur Analyse der eigenen Reputationswirkung an die Seite zu holen. Spannend ist, wie weit hier die Relevanz-Forschung vorgedrungen ist. Mit einem Beispiel kann man sich im Media Account von Landau Media vertraut machen.


05.05.2010

Zum Innovationsverständnis gehört eine kritische Quellenselektion. Das muss jetzt auch Twitter, Blogs und soziale Netzwerke umfassen. Das hat Herr Schirrmacher durchaus recht. Nur zum Zeitbudget für die, die hieraus keine Einkünfte ziehen, hat er nichts gesagt.


22.04.2010

Was treibt einen Redakteur? Geschrieben stand Sinn gemäß zum Thema Steuerschlupflöcher: Wenn eine BVI zur Ummantelung einer Stiftung vorgeschaltet wird, dann lässt sich der Geldfluss nicht mehr nachvollziehen. Musste er einen so klaren Fingerzeig geben? Vielleicht ist das in betuchten Kreisen ja allgemein bekannt, so daß hier keine Anleitung zur Steuerhinterziehung veröffentlicht wurde? Dann darf ich auch erläutern, dass BVI für British Virgin Island Gesellschaft steht. Ärgerlich - wer weiß?


02.04.2010

Mit Nachrichten ist es wie mit den Blumen - erst Auffälliges erzeugt einen Erinnerungswert. Doch zugleich drängt das Auffällige den Rest in den Hintergrund. Präsident Obama erlaubt Ölbohrungen vor den US-Küsten? Ja, leider - doch immerhin stellt er mit der Bristol Bay wesentliche Teile der Westküste von Alaska unter Schutz. Das geht unter - obwohl gerade dort der Kampf um die schützenswerte Umwelt besonders hart ausgefochten wurde. Wie ausgewogene Berichterstattung aussehen kann, zeigt der Tagesspiegel aus Berlin.


12.03.2010

Absprung in 1.962 Metern über dem Meer - es verblieben ihm genau 20 Sekunden, um über sein Leben nachzudenken. Ob die Geschichte wohl gut ausgeht? Laut Herrn Schneider durfte er nicht höher hinaus...


01.03.2010

Zu gut, um nicht darauf zu verweisen. Björn Eichstaedt von Storymaker erklärt den integralen Ansatz von Online-Kommunikation am Beispiel von Mutter Erde: Mir gefielt diese bildhafte Beschreibung, weil sie hilft, Berührungsängste abzubauen - oder noch eher, weil sie ein passender Beitrag dazu ist, die digitale Kluft zu verringern.


03.02.2010

Vor allem informelles Kommunizieren und Handeln ist weiter im Vormarsch. Darauf machte in seinem Eröffnungsbeitrag auf der Learntec 2010 Pieter de Vries von der Universität Delft aufmerksam.  Mehrheitlich seine jüngeren Zeitgenossen betitelte er mit dem Ausdruck 'homo zappiens', wissbegierig jedoch oft orientierungslos. 80 Prozent unserer Zeit sei der heutige Wissensarbeiter am Lernen, ohne dies selbst so zu nennen. Denn auch und gerade Kommunikation am Arbeitsplatz, Recherche im Internet, elektronisch unterstützte Zusammenarbeit vergrößere das Wissen des einzelnen im Umgang mit der sich immer stärker vernetzenden Welt. Formelles KLassenraumlernen werde dadurch in den Hintergrund gedrängt. Statt Beidenungsanleitungen zu lesen, werde immer öfter das sich in den social media formende persönliche Netz befragt. Das hat erhebliche Auswirkungen auf Erfolgsstrategien in der Kundenkommunikation. Bereits morgen gilt es, zu erkennen, in welchen Netzen sich der eigene Kunde gerade bewegt.


08.12.2009

Robust. Langsam infiltriert dieses Wort unser Kommunikationsrepertoir. Vormals bezog es sich auf Dinge und attestierte ihnen, auch unter ungünstigen Bedingungen zuverlässig zu funktionieren. Jetzt wird es auf Handlungen bezogen und besagt, sich bei deren Umsetzung von nichts und niemandem beirren zu lassen - im Zweifelsfall mit Gewalt. Über Ethik und Moral wird dazu an höherer Stelle entschieden. Fraktion A meint: Genau deshalb sollte man dieses Wort wieder streichen - unverzüglich. Fraktion B diskutiert über die Umstände - man muss sie ins Kalkül ziehen.


09.11.2009

Packend. Vom Redeauftritt einer Person lässt sich unmittelbar auf dessen Bereitschaft zu kommunizieren schliessen. Friedensnobelpreisträger Muhammed Yunus machte jetzt in Wiesbaden sein Interesse am anderen eindrucksvoll klar durch eine packend beispielhafte Schilderung. Die Begegnung mit einer bitterarmen Bambusstuhlherstellerin führte ihn zu seinem Ansatz der Mikrokreditvergabe. Sein hautnahes Erleben der Grundbedürfnisse in Ernährung und Gesundheit stand Pate für die von ihm begründete Social Business Bewegung.


30.10.2009

Priorisieren. Wer das boomende Thema 'Wirtschaft und Ethik' verfolgt, bekommt pro Woche gleich mehrere Einladungen - mal von Buchautoren, die Allgemeinplätze vermitteln, mal von World Cafés für neue Einsichten im Kreis Gleichgesinnter und dann - erfreulich - auch von wirklich Berufenen, die dicke Bretter bohren: www.kloster-academie.de und www.schweisfurth.de sind hier zu nennen.